• Chronik      
  • Die Bauerngruppe ist eine  der größten  und ältesten  Gruppen, die
    den mittelalterlichen Teil des Peter-und-Paul-Festes präsentieren.

    Heute  ist  sie ein eingetragener  Verein mit etwa 200 Mitgliedern -

    oft sind ganze Familien dabei - der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den vierten Stand des Mittelalters darzustellen.

    Sebastian  Münzer  sagt  über  die  Bauern in der Reformationszeit:

    ,,Der  vierte  Stand  sind  die  Menschen,  die  auf  dem Felde sitzen

    in Dörffern und Höffen (...) und werden genannt Bawern (...).

    Diese führn gar ein schlecht und niederträchtig Leben."

    Und in der Tat, das Schinden bei der Arbeit wurde in dieser Bevölkerungsschicht groß geschrieben. Menschen und Tiere schonten sich nicht, um Frondienste und Abgaben an ihre Herrschaft zu leisten. Daran will die Bauerngruppe mit der Präsentation und dem Gebrauch alter Gerätschaften erinnern.

    Bereits beim  ersten Peter-und-Paul-Fest  nach dem Krieg  stellten

    einige Personen Bauern dar. Der erste Bauer überhaupt war Helmut  Hell,  der    eine   Gruppe  Jugendlicher  entsprechend  ein -

    kleidete und mit ihnen als loser Haufen den Festzug bereicherte.

    1960  überzeugte   Margarete  Stoll   ihren  Mann   Hermann  davon

    dass  die  ganze Familie  am Festzug teilnehmen  sollte. Es kostete

    ihn  große Überwindung,  dies  zu  tun.  Doch  er gab  dem  Drängen

    seiner Frau nach und sie nahmen das erste mal am Festzug teil.

    In der Folgezeit sammelte er nun Leute um sich, die Interesse hatten als Bauerngruppe beim Peter-und- Paul-Fest mitzumachen. Bereits ein Jahr später nahm eine ansehnliche Gruppe von 10 Männern und 23 Frauen am Festzug teil.

                        

                     

                                             Bauerngruppe 1965

    Hermann Stoll hatte das ganze Jahr über auf umliegenden Bauern-

    höfen nach alten Gerätschaften gesucht  und 25  historische Teile -

    Dreschflegel, Gabeln und dergleichen - zusammengetragen.

    Bereits  im  Jahre  1962 bereicherte  die  Gruppe  nicht  nur  mit  62 Personen das Peter- und- Paul- Fest, sondern unternahm auch den ersten Auswärtseinsatz zum Winzerfest nach Bensheim.

    1964 fuhr man erstmalig zum Schäferlauf nach Markgröningen.

    In diesem Jahr begnügte sich die Bauerngruppe nicht mehr nur mit

    der    Festzugsteilnahme    und      anschließendem       gemütlichen

    Zusammensitzen. Eine Schänke musste her und zwar in der Küferei

    von Hermann Stolls Nachbarn Hauber. Dort  wurden  Getränke  und

    ein    schmackhaftes    Bauernvesper -    Leber,   Griebenwurst  und

    Schwartenmagenbrot -  angeboten.  Zwar  ist   nach   vielen Jahren beim   Hauber  die  Bauerngruppe  mit ihrer Schänke im Jahre 1994

    an den Seedamm  gezogen,  aber  an der Bewirtung hat sich nichts geändert.   Noch   heute   servieren   hübsche  Bauernmädchen den

    Besuchern   Brote  wie vor 40 Jahren, und das Vesper wird mit dem gleichen Genuss wie damals verspeist.

                       

                     

                                            Peter-und-Paul-Fest 1987

    Bis   zum  Jahr  1985 war  die Bauerngruppe  eine  lose Vereinigung

    unter  dem Dach  der  Vereinigung Alt- Brettheim. Am 19. Juli 1985

     entschloss  man sich in einer außerordentlichen Versammlung,      

    die Gruppe auf eine solide Gundlage zu stellen und einen eingetragenen Verein zu gründen. 

    Über die Jahre wurde die Bauerngruppe zum Paten anderer Bauerngruppen.  Nachdem  Wittenberg   Partnerstadt  von  Bretten

    geworden war, unterstützten die Brettener Bauern dort die Gründung und den Aufbau der Wittenberger Bauerngruppe. So kam es das man seit 1992 nach Wittenberg zu " Luthers Hochzeit" fährt und auch die Wittenberger gerne zum Peter- und- Paul- Fest nach Bretten kommen. Zwei Jahre später wurde in Eggersdorf bei Berlin das Bauernvolk gegründet. Auch dort sind die Brettener gern gesehene Gäste und umgekehrt sind die Eggersdorfer eine Bereicherung für das Peter- und- Paul- Fest in Bretten.                

    Die Entwicklung steht aber nicht still. Es gibt inzwischen viele Kontakte ins europäische Ausland. Ausfahrten nach Portugal, Spanien, Frankreich und auch Polen finden regelmäßig statt. Auch dort sind Menschen die vom Tun der Bauerngruppe begeistert sind, die daran teilhaben wollen und ähnliches auf die Beine stellen wollen.

    2010 feierte die Bauerngruppe ihr 50 jähriges Vereinsjubiläum.

    Mit einer Ausstellung im Gerberhaus, unter dem Titel

    " Hoch  lebe  der  Bauernstand-   Bäuerliches  Leben  im  Kraichgau

    im Wandel der Zeiten" und   verschiedenen   Themenwochenenden

     wurde   dieses  Jubiläum  gebührend  gefeiert.    Ein    Schlachtfest,

    ein Musik-und-Tanzfest, eine Bauernhochzeit an Peter und Paul, und ein Erntedankfest bildeten weitere Höhepunkte des Jubiläums.

    Am 14.06.2011 wurde im beisein von Oberbürgermeister Martin Wolff ein Jubiläumsbuch der Öffentlichkeit präsentiert.

                               

         Die Gründer der Bauerngruppe

                                      Hermann und Margarete Stoll

                         Peter-und-Paul-Fest 1974

                                                                                                                                                               

                                                        Peter-und- Paul-Fest  1994