Chronik

Bauerngruppe 1965

Die Bauerngruppe ist eine  der größten  und ältesten  Gruppen, die den mittelalterlichen Teil des Peter-und-Paul-Festes präsentieren.
Heute  ist  sie ein eingetragener  Verein mit etwa 200 Mitgliedern -oft sind ganze Familien dabei - der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den vierten Stand des Mittelalters darzustellen.

 

Sebastian  Münzer  sagt  über  die  Bauern in der Reformationszeit:

,,Der  vierte  Stand  sind  die  Menschen,  die  auf  dem Felde sitzen in Dörffern und Höffen (...) und werden genannt Bawern (...). Diese führn gar ein schlecht und niederträchtig Leben."

Und in der Tat, das Schinden bei der Arbeit wurde in dieser Bevölkerungsschicht groß geschrieben. Menschen und Tiere schonten sich nicht, um Frondienste und Abgaben an ihre Herrschaft zu leisten. Daran will die Bauerngruppe mit der Präsentation und dem Gebrauch alter Gerätschaften erinnern.

Bereits beim  ersten Peter-und-Paul-Fest  nach dem Krieg  stellten einige Personen Bauern dar. Der erste Bauer überhaupt war Helmut  Hell,  der    eine   Gruppe  Jugendlicher  entsprechend  ein - kleidete und mit ihnen als loser Haufen den Festzug bereicherte.

1960  überzeugte   Margarete  Stoll   ihren  Mann   Hermann  davon dass  die  ganze Familie  am Festzug teilnehmen  sollte. Es kostete ihn  große Überwindung,  dies  zu  tun.  Doch  er gab  dem  Drängen seiner Frau nach und sie nahmen das erste mal am Festzug teil.

In der Folgezeit sammelte er nun Leute um sich, die Interesse hatten als Bauerngruppe beim Peter-und- Paul-Fest mitzumachen. Bereits ein Jahr später nahm eine ansehnliche Gruppe von 10 Männern und 23 Frauen am Festzug teil.

Peter-und-Paul-Fest 1987 - Elisabeth und Gehard Servay

Hermann Stoll hatte das ganze Jahr über auf umliegenden Bauernhöfen nach alten Gerätschaften gesucht  und 25  historische Teile - Dreschflegel, Gabeln und dergleichen - zusammengetragen.

Bereits  im  Jahre  1962 bereicherte  die  Gruppe  nicht  nur  mit  62 Personen das Peter- und- Paul- Fest, sondern unternahm auch den ersten Auswärtseinsatz zum Winzerfest nach Bensheim. 1964 fuhr man erstmalig zum Schäferlauf nach Markgröningen.
 

In diesem Jahr begnügte sich die Bauerngruppe nicht mehr nur mit der Festzugsteilnahme und anschließendem gemütlichen Zusammensitzen. Eine Schänke musste her und zwar in der Küferei von Hermann Stolls Nachbarn Hauber. Dort wurden Getränke und ein schmackhaftes Bauernvesper-Leber, Griebenwurst und Schwartenmagenbrot - angeboten. Zwar ist nach vielen Jahren beim Hauber die Bauerngruppe mit ihrer Schänke im Jahre 1994 an den Seedamm  gezogen,  aber  an der Bewirtung hat sich nichts geändert. Noch heute servieren hübsche Bauernmädchen den Besuchern Brote wie vor 40 Jahren, und das Vesper wird mit dem gleichen Genuss wie damals verspeist.

Bis zum Jahr 1985 war die Bauerngruppe eine lose Vereinigung unter dem Dach der Vereinigung Alt- Brettheim. Am 19. Juli 1985 0entschloss man sich in einer außerordentlichen Versammlung, die Gruppe auf eine solide Gundlage zu stellen und einen eingetragenen Verein zu gründen.

Über die Jahre wurde die Bauerngruppe zum Paten anderer Bauerngruppen. Nachdem Wittenberg Partnerstadt von Bretten geworden war, unterstützten die Brettener Bauern dort die Gründung und den Aufbau der Wittenberger Bauerngruppe. So kam es das man seit 1992 nach Wittenberg zu " Luthers Hochzeit" fährt und auch die Wittenberger gerne zum Peter- und- Paul- Fest nach Bretten kommen.

 

Zwei Jahre später wurde in Eggersdorf bei Berlin das Bauernvolk gegründet. Auch dort sind die Brettener gern gesehene Gäste und umgekehrt sind die Eggersdorfer eine Bereicherung für das Peter- und- Paul- Fest in Bretten.               

 

Die Entwicklung steht aber nicht still. Es gibt inzwischen viele Kontakte ins europäische Ausland. Ausfahrten nach Portugal, Spanien, Frankreich und auch Polen finden regelmäßig statt. Auch dort sind Menschen die vom Tun der Bauerngruppe begeistert, die daran teilhaben wollen und ähnliches auf die Beine stellen wollen.

 

2010 feierten wir

"50 Jahre Bauerngruppe Alt Brettheim 1504 e.V."

Ausstellungseröffnung war

im Geberhaus in Bretten,

am 04.März 2010.

"Hoch lebe der Bauernstand-

Bäuerliches Leben im Kraichgau im Wandel der Zeiten"

Eröffnet wurde die Ausstellung durch OB Martin Wolff.

Eine Einführung in die Ausstellung erfolgte durch Dr. Peter Bahn.

An verschiedenen Themen-wochenenden wurde   dieses Jubiläum gebührend gefeiert. Ein Schlachtfest, ein Musik-und-Tanzfest, eine Bauernhochzeit an Peter und Paul, und ein Erntedankfest bildeten weitere Höhepunkte des Jubiläums.

 

Im Juni 2011 stellte die Bauerngruppe, im beisein von OB Martin Wolff,

im Gerberhaus ein Jubiläumsbuch vor.

Hermann und Margarete Stoll - Die Gründer der Bauerngruppe